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Linkpartner Kulturpolitik




Einführung

Unsere Perspektive
Der Begriff Kulturwirtschaft bzw. Kreativwirtschaft wird von verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen verwandt und erforscht - immer mit anderen Konotationen. Unsere Perspektive orientiert sich am Selbstverständnis der Kulturunternehmer, nicht einer bestimmten wissenschaftlichen Disziplin. Vielmehr werden diese wie in einem "tool box" herangezogen, um verschiedene Phänomene in der Kulturwirtschaft mit verschiedenen wissenschaftlichen Methoden zu untersuchen.

Zunächst ist wichtig zu sehen, dass der Begriff meistens heute nicht (mehr) im Sinne der Kritik Adornos an der industrialisierten Produktion von Kultur gebraucht wird. Unverändert wird der Begriff jedoch vielfach als "Kritik" verwandt, um eine falsche Ökonomisierung nicht-ökonomischer Produkte bzw. Prozesse zu kennzeichnen. Auch dient der Begriff vielen dazu, das Engagement von Sponsoren aus der Industrie für die Kultur zu bezeichnen. Auch diese Perspektiven sind mit dem seit 2004 verwandten Begriff der Kultur- und Kreativwirtschaft nicht gemeint.

Definitionsansatz
Kultur- und Kreativwirtschaft meint demnach alle Aktivitäten zur Herstellung und zum Vertrieb von Kulturprodukten mit dem Ziel Geld zu verdienen. Dies umfaßt das Kommissions- wie auch das Lizenzgeschäft und das Urheberrecht als dem wesentlichen Marktordnungsgesetz. Damit ist zugleich klar: Kulturwirtschaft ist keine neue Branche oder Tätigkeit, sondern ist seit Jahrtausenden bekannt.

Heute gibt es in Europa eine Vielzahl von Ansätzen, wie man Kultur und Kreativität als Wirtschaftstätigkeit verstehen und interpretieren kann. In einem Vortrag auf der 4. Jahrestagung Kulturwirtschaft hat Joachim Geppert dazu einen kompakten Überblick gegeben.
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Was sind Kulturgüter im Unterschied zu Industriegütern?
Aus unserer Sicht ist der Kern der Kulturwirtschaft, dass Kulturgüter handelbare Wirtschaftsgüter sind, dessen Ziel nicht Gewinnerzielungsabsicht ist. Und dies bei der Entstehung wie beim internationalen Marken-Durchbruch. Kulturprodukte haben bzw. behalten eine kulturelle Identität, die durch den Markt nicht erodiert - wenn sie auch zweifelsfrei in einem Spannungsverhältnis dazu steht. Erodiert die kulturelle Identität, ist es kein Kulturprodukt mehr.

Für solche Kulturgüter gibt es eigene Marktgesetze, die auch die Volkswirtschaft mit den Ansätzen "Öffentliche Güter", Spieltheorie und Neue Institutionen Ökonomie erforscht hat. Danach sind Kulturprodukte - im Unterschied zu Industriegüter - keine Erfahrungsgüter, sondern Vertrauensgüter. Vielfach überascht auch, dass gerade die ökonomische Theorie die öffentliche Finanzierung von Kultur wirtschaftlich begründen kann.

Eine kurze Darlegung von vier grundlegenen Marktgesetzen von Kulturgütern ist in der von der UNESCO Kommission 2007 herausgegebenen Broschüre "Kulturwirtschaft in der Auslandsförderung von Kultur" veröffentlicht.
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Kulturwirtschaft und Kreativwirtschaft: Branchenabgrenzung

Eine kleine Geschichte der Begriffe
Unverändert gibt es auch im Jahr 2008 keine einheitliche oder gar verbindliche Definition der Branchen, die man zur Kultur- und Kreativwirtschaft zählt. Der Begriff wird in Deutschland von den Bundesländern und auch innerhalb der Europäischen Union von den Mitgliedsstaaten unterschiedlich verwendet. 2006 erschien der von der EU-Kommission in Auftrag gegebene Bericht "The Economy of Culture", der wiederum eine andere inhaltliche Abgrenzung vorschlug. Auch das Europäische Amt für Statistik ebenso wie die Enquete Kommission "Kultur in Deutschland" haben 2007 dazu Vorgeschläge gemacht.

Zu guter letzt wurden auch  in 2007 in Großbritannien, deren erste revolutionäre "Mapping"-Studie 1998 den Anfang machte, neue Statistikansätze geprüft, die auf einer alternativen Datenbasis beruhen als alle bisherigen Statistiken in Großbritannien. (siehe hierzu Links Kulturwirtschaftsberichte)

Zwei Leitfragen
Der Vergleich und die Übersicht der verschiedenen Statistikbegriffe ist eine Wissenschaft für sich, doch gibt es zwei wesentliche Leitfragen, an denen man Begriffe unterscheiden kann:

1.) Orientiert sich die amtlichen Statistik an der europäischen Wirtschaftszweigklassifizierung NACE?
Dann ist sie europaweit vergleichbar, doch weist sie erheblich empirische Lücken auf, weil die Statistik nur das kennt, was auf nationaler Ebene erhoben und zugeliefert wird. Zudem faßen die NACE Kategorien Berufe nicht so zusammen, wie man es umganglich sprachlich tut, wenn man von dem Musikmarkt spricht.

Beispiel: Nach NACE werden alle Verlagstätigkeiten zusammengefaßt - Musik und Bücher. In Deutschland würde dies auf städtischer Ebene jedoch zwei verschiedenen Branchen zu ordnen - einmal dem Buchmarkt und einmal dem Musikmarkt.

2.) Sind in der Statistik "Creative Industries" ausschießlich die kommerziellen Aktivitäten erfaßt oder auch die Ausgaben der öffentlichen Institute? Im EU-Bericht "The Economy of Culture" wurde dies nicht getrennt; in Deutschland erfassen jedoch die Kulturwirtschaftsberichte der Bundesländer nur die kommerziellen Tätigkeiten der Kulturproduktion und -vertriebs - jenseits aller sonst vorhandenen Unterschiede.


Die folgende Branchenaufzählung wird vom Arbeitskreis Kulturstatistik, Michael Söndermann, vertreten und hat in Deutschland in vielen Kulturwirtschaftsberichten Verwendung gefunden:


Abgrenzung der Branchen der Kultur-  und Kreativwirtschaft nach NACE Kategorien
1. Verlagsgewerbe (Buchverlage, Presseverlage, Tonträger- und Musikverlage)
2. Filmwirtschaft (Film-, TV-Film-, Video-Produktion, Verleih, Vertrieb, Filmtheater)
3. Rundfunkwirtschaft (privater Hörfunk, Fernsehen)
4. Musik, visuelle und darstellende Kunst (Freiberufliche Künstler/innen, private Theater-, Kleinkunstszene, Theater- / Konzertdirektionen, bühnentechnische Betriebe)
5. Journalisten-/Nachrichtenbüros (Journalisten-/Nachrichtenbüros)
6. Museumsshops, Kunstausstellungen (kommerzielle Museumsaktivitäten und Kunstausstellungen, etc.)
7. Einzelhandel mit Kulturgütern (Musikfachhandel, Buchhandel, Galerien, Kunsthandel)
8. Architekturbüros (Innen-, Garten-/Gestaltungs-, Hoch-/Tiefbauarchitekten)
9. Designwirtschaft (Industrie-, visuelles-, Mode/Textil-Design, Fotografiegewerbe)
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=>  Kulturwirtschaft

zuzüglich
10. Werbung (nur Wirtschaftsklasse 74.402)
11. Software / Games
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=>  Kulturwirtschaft im weiteren Sinne: Kreativwirtschaft


Zu jeder dieser EU-NACE-Kategorien lassen sich die Kategorien aus der offiziellen deutschen Wirtschaftszweigklassifikation (WZ - vier- und zum Teil fünfstellig) zu ordnen.